Torsten Köhler-Hohlfeld - FDP

Torsten Köhler-Hohlfeld

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Wahlprogramm der FDP Thüringen

14.07.2009 Aufrufe bisher: 311

THÜRINGENGERECHT
Wahlprogramm der FDP Thüringen für die
Landtagswahl am 30. August 2009
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Inhaltsverzeichnis
1 Präambel...........................................................................................................4
1.1 Thüringengerecht .......................................................................................................................5
1.2 Chancen für Thüringen..........................................................................................................6
1.3 Herausforderungen in Thüringen............................................................................................7
1.4 Zukunft für Thüringen..........................................................................................................8
2 Bildung..............................................................................................................9
2.1 Frühkindliche Bildung .............................................................................................................10
2.2 Schule..............................................................................................................11
2.3 Berufsausbildung ......................................................................................................................13
2.4 Hochschulen ......................................................................................................................14
3 Wirtschaft .................................................................................................................... 16
3.1 Mit der Sozialen Marktwirtschaft gegen die Krise ..............................................................16
3.2 Wohlstand braucht Markt und Wettbewerb – Wettbewerb braucht Regeln...................17
3.3 Mittelstand und Wirtschaft in Thüringen .............................................................................18
3.4 Wirtschaftsförderung mit klarem Auftrag und klaren Strukturen.....................................20
3.5 Energiepolitik...............................................................................................21
3.6 Forschungs- und Technologiepolitik ....................................................................................22
3.7 Verkehrspolitik .................................................................................................................24
3.8 Landwirtschaft, Forsten, Ländlicher Raum..........................................................................26
3.9 Bau und Infrastruktur - Entwicklung unterstützen statt behindern.................................30
4 Steuern, Finanzen und Haushalt ................................................................................32
4.1 Leistungsgerechtes Bürgergeld...............................................................................................32
4.2 Gerechte Steuer – verständliche Regeln und ein einfacher Stufentarif............................34
4.3 Gerechte Steuern für Unternehmen......................................................................................35
4.4 Haushaltskonsolidierung und Finanzverwaltung.................................................................36
5 Kultur und Medien.............................................................................................41
5.1 Kultur mit internationalem Anspruch...................................................................................41
5.2 Denkmalschutz.........................................................................................42
5.3 Medien .............................................................................................................42
6 Gesundheit, Familie und Sozialpolitik .......................................................................44
6.1 Thüringengerechte Gesundheitspolitik.................................................................................44
6.2 Kinderlärm ist Zukunftsmusik – Thüringengerechte Familienpolitik..............................49
6.3 Gleichstellung .........................................................................................................50
6.4 Förderung des Ehrenamts ......................................................................................................50
6.5 Thüringengerechte Seniorenpolitik .......................................................................................51
7 Kommunale Selbstverwaltung ....................................................................................53
7.1 Für Thüringengerechte Kommunen .....................................................................................53
7.2 Freiwillige Feuerwehren ..........................................................................................................54
7.3 Kommunale Finanzen..............................................................................................55
8 Umwelt- und Naturschutz ..........................................................................................58
9 Staat, Verwaltung und Justiz.......................................................................................62
9.1 Thüringengerechte Innenpolitik ............................................................................................62
9.2 Thüringengerechte Verwaltung.....................................................................................64
9.3 Effektiver Rechtsschutz durch eine starke und unabhängige Justiz.................................65
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1 Präambel
Am 30. August 2009 wählen die Thüringerinnen und Thüringer einen neuen Landtag.
In den 20 Jahren seit der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes hat sich Thüringen positiv
entwickelt. Diese Entwicklung ist auch ein Verdienst liberaler Politikerinnen und Politiker – im
Land, in den Kreisen und in den Städten und Dörfern. Insbesondere in den ersten Jahren nach
der Neugründung des Landes wurden grundlegende Richtungsentscheidungen getroffen, die
diese Jahre zu den erfolgreichsten der Thüringer Geschichte werden ließen und bis heute
nachwirken. An diese Erfolge liberaler Landespolitik wird die FDP Thüringen anknüpfen.
Wir erkennen aber, dass es noch zahlreiche Defizite, Probleme und Schwierigkeiten in Thüringen
gibt. Politische Entscheidungen in den letzten Jahren wurden falsch oder gar nicht getroffen –
Prioritäten falsch gesetzt.
Das Ergebnis der Landtagswahl wird die Richtung unseres Freistaates für die nächsten 20 Jahre
bestimmen. Es geht nicht nur um eine Legislatur, es geht um die grundsätzliche Entwicklung
unserer Heimat. Thüringen steht vor einer Zeit großer Herausforderungen. Die derzeitige Krise
ist dabei nur der Ausgangspunkt. Die Fördermittel des EU und des Bundes für Thüringen
werden in den nächsten Jahren dramatisch abnehmen, der Landeshaushalt ist extrem
konjunkturabhängig, der demographie- und abwanderungsbedingte Bevölkerungsschwund wirkt
sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche aus. Thüringen steht vor großen Herausforderungen und
hat zugleich große Zukunftschancen. Die Landtagswahl ist eine Richtungswahl für unsere
Zukunft.
Die FDP steht für klare und zielorientierte Politik, ohne Experimente, ohne Abenteuer und ohne
undurchdachte Reformen.
Wir Thüringer Liberale sind stolz auf unser Land und die Leistungen seiner Menschen. Wir
Thüringer Liberale werden uns den Herausforderungen stellen, wir werden sie – gemeinsam mit
den Bürgerinnen und Bürgern – bewältigen.
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1.1 Thüringengerecht
Liberale Politik für die Menschen in Thüringen ist eine Politik, die dem Land und seinen
Menschen gerecht wird, es ist Thüringengerechte Politik.
Thüringengerechte Politik bedeutet, dass Menschen für ihre Leistungen belohnt werden, dass
Leistung sich lohnt. Sie sorgt für Leistungsgerechtigkeit.
Es ist eine Frage der Leistungsgerechtigkeit, dass wir die Leistung der Menschen in unserem
Land anerkennen. Wer arbeiten geht, muss vom Lohn seiner Arbeit sich und seine Familie
ernähren können.
Thüringengerechte Politik sorgt dafür, dass Menschen gleiche Chancen bekommen und diese
nutzen können. Sie sorgt für Chancengerechtigkeit.
Es ist eine Frage der Chancengerechtigkeit, dass wir allen Kindern in Thüringen den Zugang zu
bestmöglicher Bildung und Erwachsenen vielfältige Möglichkeiten des lebenslangen Lernens
bieten.
Es ist eine Frage der Chancen- und Leistungsgerechtigkeit, denjenigen, die arbeiten und
lernen können und wollen, eine Chance in Thüringen zu bieten.
Thüringengerechte Politik beinhaltet, dass diejenigen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die
nichts oder nur wenig leisten können, Hilfe erhalten. Sie sorgt für soziale Gerechtigkeit.
Es ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit denen zu helfen, die sich nicht selbst helfen können.
Nicht den Faulen, nicht den Findigen, sondern den Bedürftigen. Die FDP ist der Anwalt der
arbeitenden und Arbeit suchenden Menschen in unserem Land! Die FDP steht dafür, dass
unser Land auch künftig in der Lage ist, denen zu helfen, die Hilfe brauchen.
Wir Liberalen verstehen unter dem Begriff „sozial“ eine gesellschaftliche Verantwortung,
nicht eine ausschließlich staatliche Kategorie. Privates, soziales bürgerschaftliches Engagement
der Menschen füreinander, welches durch staatliche Unterstützung ergänzt wird, das ist das
liberale Verständnis von der sozialen Gesellschaft.
Wir Liberalen stehen für eine offene und freie Gesellschaft. Unser Begriff einer freien
Gesellschaft heißt: Die Bürger gewähren dem Staat Einschränkungen ihrer Freiheit und nicht
etwa: Der Staat gewährt den Bürgern einige Freiheiten. Wenn Bürger ihrem Staat vertrauen
sollen, dann muss der Staat vor allem seinen Bürgern vertrauen. Wir Liberalen vertrauen den
Thüringerinnen und Thüringern!
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1.2 Chancen für Thüringen
Garant für eine freie und gerechte Gesellschaft ist eine stabile Wirtschaft, die Arbeitsplätze für
die hier lebenden Menschen schafft und sichert. So wird Thüringen lebenswert, so wird
Thüringen attraktiv, besonders für Familien. Unsere Wirtschaft, gerade in Thüringen, ist geprägt
von kleinen und mittelständischen Unternehmen, von Familienbetrieben. Für Liberale ist
eines völlig klar: Ohne die Unternehmerinnen und Unternehmer, die Arbeitsplätze und
Ausbildungsplätze schaffen und sichern, wäre unser Land nicht lebensfähig. Ohne die
Menschen, die etwas unternehmen und dabei hohe persönliche Risiken und Einschränkungen auf
sich nehmen, gäbe es keine Ausbildung und somit keine Arbeitschancen.
Thüringen ist ein Agrarstandort, die Thüringer Landwirtschaft, die Thüringer Bauern
produzieren Qualitätslebensmittel. Insbesondere auf europäischer Ebene muss Thüringen
gemeinsam mit den anderen ostdeutschen Bundesländern intensiver die Interessen der
einheimischen Bauern vertreten, um so eine leistungsfähige Marktwirtschaft im Agrarsektor zu
ermöglichen.
Thüringen ist ein Standort von Hochschulen und von technologieorientierten Unternehmen.
Dafür zu sorgen, dass Thüringer Hochschulabsolventen auch eine Chance auf einen adäquaten
Arbeitsplatz in Thüringen haben, ist eine der wesentlichen Herausforderungen für die nächsten
Jahre.
Thüringen ist ein landschaftlich attraktives Land mit einer faszinierenden und vielfältigen
Geschichte, einer reichen, historisch gewachsenen und modernen Kultur und
abwechslungsreicher Landschaft. Der Thüringer Wald mit dem Rennsteig, die Rhön, das
Saaletal, die großen und kleinen Talsperren, die rekultivierte Bergbaufolgelandschaft der
Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg, die Wartburg, Schlösser und Burgen,
Residenzstädte, das Kyffhäuserdenkmal, die Spuren Luthers und des Wirkens von Bach, Goethe
und Schiller sind nur einige Beispiele die das enorme Potenzial unseres Landes zeigen.
Thüringen ist für Touristen aus aller Welt interessant, die Vermarktung des
Tourismusstandortes muss deshalb noch viel konzentrierter erfolgen, als bisher.
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1.3 Herausforderungen in Thüringen
Thüringen hat sich in den Jahren seit der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes positiv
entwickelt. Trotzdem ist es insbesondere in den letzten Jahren nicht gelungen, wesentliche
Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern.
Wir brauchen eine aktive Wirtschaftspolitik, die mittelstandsfreundliche Rahmenbedingungen
setzt. Vorrang hat für uns die Pflege bestehender Unternehmen und des Mittelstandes, damit
Arbeitsplätze gesichert werden können. Thüringengerechte Politik hat die
Fachkräfterückgewinnung, also die Rückkehr abgewanderter Thüringerinnen und Thüringer zum
Ziel.
Die Abwanderung hat in den letzten Jahren weiter zugenommen. Kaum eine Familie ist davon
nicht betroffen. Wir verlieren Jugend, Kreativität, Leistungsträger und damit Wirtschaftskraft.
Durch die anhaltende Abwanderung wächst in Thüringen die Gefahr der wirtschaftlichen
Abkoppelung und daraus folgender gesellschaftlicher Probleme.
Thüringen braucht eine solide Finanz- und Haushaltspolitik. Der Haushalt muss
zukunftsgerecht und konjunkturunabhängiger werden. Auf den massiven Verlust von
Fördermitteln, der schon in den Jahren ab 2013/2014 beginnt, ist Thüringen nicht vorbereitet.
In der Bildungspolitik tritt Thüringen auf der Stelle. Über andauernde Experimente und
„Reförmchen“ blieben die tatsächlichen Aufgaben unerledigt: Die frühkindliche Bildung, längeres
gemeinsames Lernen, das lebenslange Lernen und die Motivation von Pädagogen, ihren Beruf
hier in Thüringen auszuüben. Dabei sind schlaue Köpfe der einzige Rohstoff unseres Landes.
Die für eine erfolgreiche Entwicklung Thüringens nötige Vernetzung von Wissenschaft und
Wirtschaft muss dringend verbessert werden. Nur diejenigen Länder werden eine
Spitzenposition einnehmen, die diese Potentiale optimal nutzen.
Dem Bevölkerungsschwund und der fehlenden Wirtschaftskraft steht ein großer
Verwaltungsapparat gegenüber. Die ca. 40.000 Landesaufgaben müssen auf den Prüfstand. Was
muss der Freistaat für seine Bürger leisten und was kann er den Menschen an Freiheit überlassen?
Die Menschen sorgen gut für sich selbst. Eine teure Verwaltung schafft oftmals Stillstand und
Verwirrung. Bürokratieabbau beginnt mit Aufgabenkritik.
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Thüringen soll ein Freistaat sein, kein Verbotsstaat. Wir nehmen das Thema innere Sicherheit
ernst. Die FDP wird die Thüringerinnen und Thüringer vor einem allmächtigen Staat schützen.
Die Freiheitsrechte wurden in Thüringen vor 20 Jahren erkämpft. Wir werden diese
Freiheitsrechte auch in Zukunft verteidigen.
Eine erfolgreiche Entwicklung Thüringens ist nicht möglich ohne entsprechende Infrastruktur:
Straßen, Schulen, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und elektronische Kommunikation,
aber auch die ausreichende Versorgung mit Ärzten in den Städten und auf dem Land – hier ist
viel zu tun.
1.4 Zukunft für Thüringen
Wir Liberalen erkennen die Unzufriedenheit über den politischen Stillstand im Freistaat und den
Stillstand in der Bundespolitik. Wir sind davon überzeugt, dass die Mehrheit der Menschen in
unserem Land keine linken Experimente will.
Nur mit der FDP wird Thüringen in Zukunft zu den leistungsfähigen, freien und lebenswerten
Regionen gehören.
Nur mit der FDP werden die immensen Steuern und Abgaben, die die Tatkraft unserer
Menschen bremsen und ihre Lebensqualität mindern, auf ein erträgliches, nachvollziehbares und
vor allem gerechtes Maß zurückgeführt.
Nur mit der FDP können die Thüringer Bürgerinnen und Bürger eine Regierung, die den real
existierenden Sozialismus zum Ziel hat, verhindern.
Mit der FDP wird Thüringen ein Land der Mitte bleiben.
Mit der FDP hat Thüringen eine Zukunft.
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2 Bildung
Bildung ist Bürgerrecht. Bildung bestimmt die Lebenschancen und ist die wichtigste
Investition in die Zukunft jedes einzelnen Menschen und unserer ganzen Gesellschaft. Der
Staat muss einen Ordnungsrahmen für optimale Bildungsmöglichkeiten für alle schaffen.
Im Mittelpunkt aller Überlegungen und Aktivitäten der Thüringer FDP im Bereich der
Bildungspolitik stehen das Kind, der Jugendliche und auch der Erwachsene als Lernende und
Lehrende.
Bildung im 21. Jahrhundert ist für jeden Einzelnen ein permanenter Prozess. Am Ende einer
Berufsausbildung, sei es im dualen System oder an einer Hochschule, hat man nicht „ausgelernt“.
Lernen beginnt heute im Kindergartenalter und dauert das gesamte Leben lang. Lebenslanges
Lernen ist Verpflichtung sich selbst und der Gemeinschaft gegenüber.
Uns Liberalen geht es deshalb darum, eine Kultur des Lernens zu etablieren. Voraussetzung dafür
ist, dass jeder, unabhängig von seiner sozialen Stellung, Zugang zu Bildung haben muss. Dabei
steht für die FDP die Chancengleichheit am Start im Vordergrund. Bildungspolitik setzt bei
uns bereits im Kleinkindalter an. Wer bereits von frühkindlicher Bildung – aus welchen Gründen
auch immer – ausgenommen wird, erfährt bereits Einschnitte in der Chancengleichheit. Bildung
darf dabei jedoch nicht Erziehung ersetzen. Die Vermittlung von Werten und Einstellungen ist
vor allem Aufgabe der Eltern. Die Eltern haben nicht nur das Recht auf Erziehung ihrer Kinder,
sie haben vor allem die Pflicht dazu.
Durch massive Investitionen in die Bildung als wichtigste Grundlage für Chancengerechtigkeit
muss der Staat Perspektiven ermöglichen. Eine ausreichende Finanzierung der
Bildungseinrichtungen aller Art, von Kindergarten bis Universität ist zwingend notwendig, um
den internationalen Anforderungen an Bildung und Wissenschaft standhalten zu können. So
organisieren wir einen Vorsprung für Thüringen:
- Gute Bildung und Arbeitsplätze – das bedeutet Zukunft für Menschen in
Thüringen, es bedeutet Zukunft für Thüringen.
- Gute Bildungschancen sind ein Standortvorteil – für die Menschen und auch für die
Wirtschaft. Gute Bildung ist ein Wert an sich – das gilt für jeden einzelnen.
- Gute Bildung ist ein Standortfaktor – das gilt für die Wirtschaft, gute Bildung schafft
Arbeitsplätze.
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Der Staat konzentriert sich zu sehr darauf, mit finanziellen Transfers die Symptome
gesellschaftlicher Fehlentwicklungen und die Folgen ungleicher Chancen zu lindern. Bildung ist
das Rezept, das Ungerechtigkeit im Kern bekämpft. Qualifizierte Bildung und Ausbildung
erfordern von allen Beteiligten Bereitschaft und Anstrengung. Lern- und Leistungsbereitschaft
sind das Ethos der Solidarität.
Leitbilder liberaler Bildungspolitik sind Eigenverantwortung, Wahlfreiheit,
Chancengerechtigkeit, Effizienz und Bereitschaft zur Eigeninitiative.
2.1 Frühkindliche Bildung
Durch die Verknappung von Mitteln und Personal verkommen Kindereinrichtungen zu
Aufbewahrungsanstalten. Viele Kinder verlieren die Motivation bereits, bevor sie überhaupt die
Schule erreichen.
Es ist höchste Zeit, den Kindereinrichtungen die Möglichkeit zu geben, ihren Bildungsauftrag zu
erfüllen. Das vorhandene Personal reicht dafür bei weitem nicht aus, die Möglichkeiten der Ausund
Weiterbildung und der Betreuungsschlüssel sind dringend zu verbessern.
Kinderlärm ist Zukunftsmusik. Thüringen verfügt über ein gut ausgebautes Netz an
Kindergärten und Kindertagesstätten. Sie gehören zu den Wettbewerbsvorteilen Thüringens. So
bietet sich die Möglichkeit, Beruf und Familie zu verbinden.
Soll dies auch zum Wettbewerbsvorteil für unsere Kinder werden, muss Kinderbetreuung als
vorschulische Bildung verstanden werden. Den verschiedenen Bildungseinrichtungen und
Bildungsträgern muss dabei weitgehende Autonomie gewährt werden, damit sich Eltern auf der
Grundlage eines breit gefächerten Bildungsangebots für die Einrichtung ihrer Wahl entscheiden
können. Die Thüringer FDP setzt sich dafür ein, dass der Beruf des Erziehers /der Erzieherin
zunehmend durch eine akademische Ausbildung erworben werden kann, um den
Qualitätsansprüchen gerecht zu werden.
Ziel der Thüringer FDP ist es, perspektivisch den Besuch von
Kinderbetreuungseinrichtungen kostenfrei zu ermöglichen. Dazu ist eine lückenlose
Bereitstellung von Kindertagesstätten notwendig. Die Thüringer FDP bekennt sich deshalb zur
Einführung von Betreuungsgutscheinen. Diese Betreuungsgutscheine als familienpolitische
Leistung werden direkt an die Eltern überreicht. Durch den Übergang von der Objekt- zur
Subjektförderung, d.h. von der Förderung von Einrichtungen hin zur Förderung von Kindern,
wird die Qualität von Kinderbetreuungseinrichtungen verbessert. Der Wettbewerb zwischen den
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Bildungsträgern und die Stärkung von Privatinitiativen werden so unter Wahrung sozialer
Aspekte gefördert.
Damit ist echter Wettbewerb zwischen den verschiedenen Angeboten der frühkindlichen Bildung
möglich. Auch alternative Angebote, wie Tagesmütter, sind – bei gegebener pädagogischer
Qualität – möglich. Um die Chancengleichheit beim Schuleintritt zu gewährleisten, wird die FDP
ein verpflichtendes Vorschuljahr mit Abschlusstest zur Schulaufnahme einführen.
In diesem Zusammenhang wird die Thüringer FDP für verbindliche standardisierte
Sprachstandserhebungen eintreten. Denn Grundvoraussetzung für eine kulturelle,
wirtschaftliche und politische Teilhabe ist der sichere Umgang mit der deutschen Sprache.
Altersgerecht sicherer Umgang mit der deutschen Sprache ist für alle Kinder Voraussetzung für
einen erfolgreichen Schulstart.
2.2 Schule
Die Schule ist nicht der Spielplatz für Experimente und Reformen.
Wir stehen klar für ein gegliedertes Schulsystem, für Abitur nach zwölf Jahren, für
bundeseinheitliche Bildungsstandards, für die intensivere Einbringung der Grundlagenfächer und
naturwissenschaftlicher Fächer. Medienkompetenz gehört zur Allgemeinbildung. Gleichzeitig
startet die Thüringer FDP eine Fremdsprachenoffensive: Wir werben 1.000 Muttersprachler
nach Thüringen für Fremdsprachenunterricht an.
Wir werden mehr Autonomie für Bildungseinrichtungen und Bildungsträger einführen, damit
sich auch im Bildungswesen auf der Grundlage eines breit gefächerten Bildungsangebots der
Wettbewerb stärker entfalten kann. Die einzelnen Schulen bekommen Personalhoheit und sind
für ihren materiellen Bedarf und die effiziente Nutzung der Lehr- und Lernmittel zuständig.
Dadurch werden Schulen wettbewerbsfähiger und vor allem besser!
Die Thüringer FDP wird in der kommenden Legislatur Konzepte des längeren gemeinsamen
Lernens prüfen. Allerdings lehnen wir gemeinsames Lernen über die Klassenstufe 6 hinaus ab.
Am derzeitigen Fächerkanon halten die Liberalen grundsätzlich fest. Wer die Einführung neuer
Fächer vorschlägt, muss auch deutlich machen, welche Fächer dafür gestrichen werden sollen.
Wir Liberalen setzen uns dafür ein, Abschlussprüfungen zwischen den Bundesländern zu
vereinheitlichen. Das Mitteldeutsche Abitur oder vereinheitlichte Abschlussprüfungen mit
weiteren, insbesondere benachbarten Ländern sind für uns konkrete Zielvorstellungen.
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Am Ende jeder Schulausbildung muss ein Abschluss stehen, der – den jeweiligen Stufen
entsprechend – ein im deutschlandweiten Vergleich hohes Niveau aufweist.
Wir wollen den Ausbau eines Netzes von Ganztagsschulen in Thüringen.
Wettbewerb zwischen den einzelnen Schulen, speziell den allgemeinbildenden Schulen, fördert
die inhaltliche Weiterentwicklung der Einrichtungen. Auch Schulen in freier Trägerschaft sind
fester Bestandteil der Thüringer Bildungslandschaft, von Grundschulen bis zu Berufsschulen. Sie
müssen sich dem fairen Wettbewerb stellen können. Dazu bedarf es gleicher
Ausgangspositionen.
Auch die Kinder mit Benachteiligungen brauchen optimale Startchancen für ihr künftiges Leben.
Hier nehmen die Förderschulen eine wichtige Stellung ein. Gerade die Förderschulen im
Freistaat tragen maßgeblich dazu bei, dass unsere Kinder richtig und ihren Fähigkeiten gemäß
gefördert werden.
Der integrative Unterricht an den Regelschulen, begleitet durch Förderschulpädagogen, ist für
Kinder mit Lernschwierigkeiten oder anderen Hemmnissen eine große Hilfe, ihren
Anforderungen im Schulalltag gerecht zu werden.
Perspektivisch werden die Förderschulen weiter als Lernzentren geführt, um sicher zu stellen,
dass jedem Thüringer Kind optimale Lernbedingungen geboten werden. Gleichzeitig müssen die
Förderschulzentren Unterstützerfunktionen für die Regelschulen übernehmen.
Bildungspolitik bedeutet auch Begabtenförderung. Bildung ist nicht nur ein individuelles Recht,
sondern eine gesellschaftliche Pflicht. Liberales Ziel ist daher, sowohl ein möglichst hohes
Bildungsniveau breitester Schichten unserer Bevölkerung, als auch die Herausbildung einer hoch
befähigten geistigen Elite zu garantieren. Die berechtigten Forderungen nach
Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit dürfen jedoch nicht mit der mancherorts gehegten
Hoffnung auf Ergebnisgleichheit verwechselt werden. Wie zivilisiert, freiheitlich und gerecht eine
Gesellschaft ist, zeigt sich nicht nur in der fördernden und fordernden Hilfe in prekären
Lebensverhältnissen, sondern auch und gerade in ihrem Umgang mit Talenten. Thüringen muss
deshalb die Auswahl und Pflege der Begabungen zu seinem Anliegen machen. Dabei ist aber
ganz selbstverständlich, dass nur der, der die Breite fördert, auch die besonders Begabten
erreichen kann. Ohne ein gutes Fundament gibt es auch keine Spitze.
Lehrer und Erzieher brauchen ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit sowie ausreichend
Freiräume für ihre Arbeit und deren Vorbereitung. Diese Forderung trifft auf den gesamten
Bildungssektor zu, von der frühkindlichen Bildung über die Schulbildung und die berufliche
Bildung sowie die Ausbildung an den Fachhochschulen und Hochschulen bis hin zur
Erwachsenenqualifizierung.
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2.3 Berufsausbildung
Die berufliche Bildung ist ein zentrales Element der Innovationsfähigkeit Thüringens. Nur wenn
junge Menschen eine qualitativ gute Ausbildung haben, werden sie dauerhaft im Arbeitsleben
bestehen können.
Das duale System hat sich in Deutschland seit Jahrzehnten und in Thüringen nach der politischen
Wende bewährt. Eine der wichtigsten Stärken besteht in der Verankerung der beruflichen
Ausbildung in den Betrieben. Hier sind eine ganzheitliche Betrachtung und ein enges
Zusammenwirken von Schule und Betrieben notwendig. Die berufliche Weiterbildung als
lebensbegleitendes Lernen ist eine starke Säule des Bildungssystems. Die betriebliche
Weiterbildung muss auch weiterhin staatlich gefördert werden.
Förderangebote für Schulabgänger im Übergang in eine berufliche Ausbildung müssen in enger
Abstimmung mit dem Berufsausbildungssystem erfolgen. Ziel dieser Fördermaßnahmen muss die
Einmündung in eine berufliche Ausbildung sein. Sie dürfen nicht zu einer „Maßnahmenkarriere“
führen.
Ausbildungsgänge müssen im Rahmen eines abgeschlossenen Berufsbildes flexibler und modular
aufgebaut werden. Dabei sollen in sog. „Grundmodulen“ berufsfeldbreite Kompetenzen, die
mehreren Berufen gemeinsam sind, erlernt werden. In diesen „Grundmodulen“ werden
berufstypische Fertigkeiten und Fähigkeiten erlernt, die dann auch die Abgrenzung der Berufe
voneinander begründen. Spezialmodule mit Wahlmöglichkeiten sollen branchentypische
Geschäftsfelder umfassen und Spezialisierungen ermöglichen, ohne jedoch den gesamten
Ausbildungsberuf zu zerstückeln. Es ist jedoch gleichzeitig zu vermeiden, dass die vorhandenen
Ausbildungsberufe weiter modifiziert und immer mehr neue, spezialisierte Branchenberufe
hinzu kommen, weil ansonsten ein Überwechseln der Facharbeiter, bzw. Gesellen in andere
Betriebe einer Branche erschwert wird.
Berufsschulen bilden einen wichtigen Eckpfeiler der beruflichen Ausbildung. Um an diesem
Lernort eine hochqualifizierte und betriebsnahe Ausbildung nachhaltig zu sichern, ist es dringend
erforderlich, den Mangel an qualifizierten Lehrkräften möglichst schnell zu beseitigen. Der
Einstellungsstopp für Berufsschullehrer muss schnell beendet werden. Es ist unter keinen
Umständen hinnehmbar, dass solche Fachkräfte in die Nachbarbundesländer abwandern. Auch
sollte Seiteneinsteigern aus der Wirtschaft der Weg in das berufliche Lehramt erleichtert werden.
Dazu gehört in jedem Fall eine gerechte und leistungsorientierte Entlohnung dieses
Personenkreises.
Die Vollzeitschulformen und die Assistentenberufe sind als sinnvolle Alternative zur
traditionellen Facharbeiter- und Gesellenausbildung zu erhalten, weil sie für viele Schulabgänger
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mit besonderen Ausbildungswünschen eine gute Möglichkeit sind, in eine anspruchsvolle
Berufskarriere einzusteigen.
Überbetriebliche Ausbildungszentren sind eine Möglichkeit, um Ausbildungsinhalte zu
vermitteln, die von kleinen, oft spezialisierten Betrieben nicht abgedeckt werden können.
Das Prinzip des Vollberufs muss beibehalten werden. Dem stehen Modulausbildungsgänge für
Qualifikationen unterhalb des Vollberufs nicht entgegen. Die hochwertigen Kompetenzprofile
des Facharbeiters/Gesellen und Meisters sollen erhalten werden.
Am Ende jeder Ausbildung muss eine anerkannte Abschlussprüfung stehen. Diese Prüfung
soll weiterhin zentral bei den dafür zuständigen Stellen bundeseinheitlich erfolgen.
2.4 Hochschulen
Wir schaffen die eigenständige Hochschule!
Die Thüringer Hochschulen leisten mit herausragenden Ergebnissen einen wesentlichen Beitrag
zur Zukunftssicherung. Sie bilden die Wissenschaftlergeneration von morgen heran. Die
Hochschulen befinden sich in einem harten nationalen und internationalen Wettbewerb. Die
Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge schafft in einem hohen Maße die
internationale Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse. Die Stärkung der Leistungsfähigkeit
unserer Universitäten und Hochschulen ist deshalb eine dringende politische Aufgabe. Wir
werden aus diesem Grunde unsere Hochschulen mit einer angemessenen finanziellen
Ausstattung versehen.
Das bedeutet unter anderem:
- den Ausbau der Autonomie der Hochschulen in Finanz-, Personal- und
Organisationsentscheidungen,
- Unterstützung für den erfolgreichen Weg von Stipendien, Stiftungsprofessuren und
anderen Finanzierungsformen aus der Wirtschaft,
- dass zukünftig die Studenten ihre Hochschulen und die Hochschulen ihre Studenten
selbst auswählen dürfen. Dazu bedarf es der Abschaffung der Kapazitätsverordnung und
des Ausbaus von Studienkapazitäten. Für die Kapazitätsentwicklung sollen die späteren
Einsatzmöglichkeiten berücksichtigt werden.
- gezielte Marketingmaßnahmen zur Werbung für ein Studium in Thüringen. Dazu bedarf
es noch auszubauender Förderprogramme. Die Entwicklung der Studierendenzahlen der
nächsten Jahre ist eine große Chance für den Hochschulstandort Thüringen.
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- eine Überprüfung und Veränderung des bestehenden Tarifvertrages, um einer
Abwanderung von jungen talentierten Wissenschaftlern entgegenzuwirken,
- die Förderung der Verzahnung der Forschung von Hochschulen, außeruniversitären
Forschungsinstituten und der Industrie,
- die Aufstockung der Finanzmittel für die Hochschulen bei langfristiger finanzieller
Planungssicherheit. Zusätzliche Einnahmen müssen im Rahmen der
Eigenverantwortlichkeit der Hochschulen möglich sein. Die staatliche Finanzierung muss
von der Höhe der zusätzlichen Einnahmen unabhängig sein.
Die Erhebung von Studienbeiträgen ist Sache der Hochschulen und Universitäten und eine
freiwillige Angelegenheit der universitären Selbstverwaltung. Sie dürfen jedoch ausschließlich zur
Verbesserung der Lehre und Studienbedingungen eingesetzt werden. Sollten sich Hochschulen
dazu entschließen, darf dies nicht zu sozialer Selektion führen. Es bedarf einer Weiterentwicklung
des BAföG.
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3 Wirtschaft
Die Wirtschaft in Thüringen muss wieder an Fahrt gewinnen. Nur eine konsequent
marktwirtschaftliche Politik kann die Dynamik entfachen, die Arbeitsplätze sichert. Unnütze
bürokratische Hemmnisse und mittelstandsfeindliche Industriepolitik sorgen dafür, dass sich die
Gefahren der gegenwärtigen Finanzkrise verschärfen, und dass aus der Finanzkrise eine
Arbeitsmarktkrise wird. Dies gilt es zu verhindern.
3.1 Mit der Sozialen Marktwirtschaft gegen die Krise
Die soziale Marktwirtschaft hat in Deutschland und in Thüringen zu Wohlstand breiter
Bevölkerungsgruppen und zu anhaltendem sozialen Frieden geführt. Nur soziale Marktwirtschaft
sichert dauerhaft Arbeitsplätze und setzt dem Markt Regeln. In der sozialen Marktwirtschaft
gehen Wirtschafts- und Sozialpolitik Hand in Hand. Allerdings setzt der Staat mit seinen Regeln
den Ordnungsrahmen, der das Gleichgewicht der am Markt Beteiligten (z.B.
Arbeitnehmer/Arbeitgeber, Kunden/Unternehmen) gewährleistet. Die gegenwärtige Finanzkrise
ist nicht zuletzt durch die Missachtung ordnungspolitischer Prinzipien entstanden. Insbesondere
die staatliche Politik des "billigen Geldes" der US-Zentralbank und die forcierte staatliche
Förderung von Hauseigentum haben die Finanzmärkte verzerrt und zu Spekulationsblasen
geführt. Deshalb können hohe Verschuldung und eine abermalige Politik des "billigen Geldes"
langfristig den Schaden nur vergrößern.
Bestandteile der Sozialen Marktwirtschaft sind der Schutz des Privateigentums und die
Vertragsfreiheit. Staatliche Beteiligungen an Privatunternehmen oder gar Enteignungen
unterhöhlen das Fundament der Sozialen Marktwirtschaft. Sie führen zu
Wettbewerbsverzerrungen und retten in Wahrheit keinen einzigen Arbeitsplatz. Ganz im
Gegenteil: Sie schmälern mittel- und langfristig die Beschäftigungs- und
Wachstumsmöglichkeiten in Deutschland.
Die Soziale Marktwirtschaft ist das gesellschaftspolitische Gegenmodell zum Obrigkeits- und
Interventionsstaat, zur Herrschaft der Bürokraten, zur Privilegiengesellschaft, zu Etatismus und
umfassender Staatsfürsorge. Ihre Bedeutung reicht weit über die ökonomischen Aspekte der
wirtschaftlichen Effizienz hinaus. Sie ist komplementärer Teil jeder freiheitlichen
Gesellschaftsordnung. Freiheit ist unteilbar.
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Die Finanz- und Wirtschaftskrise stellt die Menschen in Thüringen vor besondere
Herausforderungen. Wer schon immer Zweifel an der sozialen Marktwirtschaft hatte, äußert
diese vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzkrise nun umso lauter. Dabei war und ist
es auch und gerade die öffentliche Hand, die mit Interventionismus und Subventionen einen
erheblichen Teil an der gegenwärtigen Misere zu verantworten hat.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise stellt Thüringen vor besondere Herausforderungen. Niemand
kann die kommenden Risiken sicher einschätzen, die Mittel einer Landesregierung in einer
globalen Krise sind begrenzt. Wichtig ist in dieser Lage, das Vertrauen der Menschen in die
eigenen Kräfte und in die Handlungsfähigkeit des Staates zu stärken. Wir sehen gute Chancen,
dass bei entsprechenden politischen Weichenstellungen das Land Thüringen gestärkt aus der
Krise hervorgehen wird.
Die Finanzkrise macht deutlich, dass der Ordnungsrahmen im Sinne der Sozialen
Marktwirtschaft weiterentwickelt werden muss. Nicht die Freiheit hat versagt, vielmehr hat
die mangelnde Verantwortung Einzelner beim Gebrauch der Freiheit die Krise
herbeigeführt. Deshalb müssen diejenigen, die durch verantwortungsloses Handeln die Krise
herbeigeführt haben, personell wie finanziell zur Verantwortung gezogen werden.
Freiheit und Verantwortung bleiben Grundvoraussetzung für die wirtschaftliche Entfaltung und
damit für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Deshalb gilt für die Thüringer FDP: Wir wollen so
viel Freiheit wie möglich und so viel Regeln wie nötig.
3.2 Wohlstand braucht Markt und Wettbewerb – Wettbewerb braucht Regeln
Auch die Thüringer Wirtschaft steht vor schwierigen Zeiten. Auftragseingänge sind rückläufig,
Kurzarbeit nimmt zu, Prognosen der wirtschaftlichen Entwicklung werden nach unten korrigiert.
Die Kaufkraft ist schwach, weil den Bürgern Geld für Konsum und Investitionen entzogen
wurde. Die gesamtstaatlichen Steuermehreinnahmen in Deutschland – also Mehrbelastungen der
Bürger – betrugen allein in den Jahren von 2006 bis 2008 über 350 Mrd. Euro. Für den
durchschnittlichen Arbeitnehmerhaushalt bedeutet dies in den drei Jahren einen Kaufkraftentzug
von rund 4.800 Euro.
Die Herausforderungen der Zukunft meistern wir nur, wenn sich die schöpferischen und
geistigen Kräfte unserer Gesellschaft voll entfalten. Dafür will die FDP Raum schaffen. Je mehr
Menschen durch eigene Leistung ihr Leben gestalten, desto fairer und sozialer ist die
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Gesellschaft. Eine Politik der guten Ergebnisse ist besser für die Menschen als eine
Politik der guten Absichten.
Manche Menschen haben Angst vor Wettbewerb, weil sie darunter ungehinderte ökonomische
und politische Macht verstehen.
Wettbewerb bedeutet jedoch nicht das Recht des Stärkeren, aber auch nicht die Generallösung
für alle Probleme.
Wettbewerb darf nicht verboten werden, sondern muss mit klaren Regeln fair gestaltet
und in seiner Wirksamkeit gestärkt werden.
Die gesellschaftliche Schleifspur aller linken Rezepte zeigt, dass unkontrollierte wirtschaftliche
und politische Macht immer genau dort entsteht, wo Wettbewerb und Markt vorher aus
politischen Motiven außer Kraft gesetzt worden sind. Die aus einer Wettbewerbssituation
resultierende Konkurrenz von Ideen führt zu besten Lösungen - Wettbewerb macht beweglich!
3.3 Mittelstand und Wirtschaft in Thüringen
Kleine und mittlere Unternehmen sind das Rückgrat der Thüringer Volkswirtschaft. Es ist der
Mittelstand der den entscheidenden Beitrag zur Schaffung und Sicherung von Arbeits- und
Ausbildungsplätzen in Thüringen leistet. 87 Prozent der Betriebe in Thüringen haben weniger als
zehn Beschäftigte. Mittelständische Unternehmen sind außerordentlich flexibel und innovativ.
Ohne den Mut und das Engagement der mittelständischen Unternehmen und ihre qualifizierten
Mitarbeiter wäre der bemerkenswerte Wiederaufbau im Freistaat nicht möglich gewesen.
Thüringengerechte Wirtschaftspolitik ist Politik für den Mittelstand.
Der Mittelstand wartet auf Steuersenkungen und Maßnahmen zur Verbesserung der
Eigenkapitalquote, auf Bürokratieabbau und niedrige Lohnzusatzkosten. Zu einer guten
Mittelstandspolitik gehört für die FDP Thüringen eine gezielte Wirtschaftsförderung und
Unterstützung bei der Sicherung von Arbeitsplätzen gerade während der Wirtschaftskrise. Wir
wollen schnellere und subsidiär geprägte Entscheidungen.
Die Thüringer FDP begrüßt die von der EU-Kommission angestoßene Umsetzung der
„Unternehmensgründung in sieben Tagen“. Dazu ist auch die Einrichtung eines
„einheitlichen Ansprechpartners“ für alle Unternehmensgründer notwendig.
Die Thüringer Liberalen werden alle bestehenden und künftig zu beschließenden Gesetze und
Verordnungen auf ihre Mittelstandsrelevanz hin überprüfen und darüber hinaus mit einem
Ablaufdatum versehen. Mit Prüfverfahren wie dem „Quick-Scan-Verfahren“ oder dem
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Standardkosten-Modell wird ermittelt, wie viel Aufwand und Zeit durch Anträge und
Meldepflichten bei den Betrieben und in der Verwaltung verursacht werden. Auf diese Weise
ausfindig gemachte Kostenbelastungen werden soweit wie möglich reduziert.
Die Thüringer FDP setzt sich auch für schnellere Genehmigungsverfahren z.B. durch die
Einführung weiterer Anzeigeverfahren – analog der Thüringer Bauordnung – ein.
Weiterhin werden wir die Pflichtmitgliedschaft von Unternehmen in den Industrie- und
Handelskammern bzw. Handwerkskammern kritisch überprüfen. Die Kammern sollen nicht
abgeschafft werden. Vielmehr muss das Kammerwesen auf der Grundlage des
Wettbewerbsgedanken reformiert werden.
Die FDP Thüringen fordert die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Anwendung der reduzierten
Mehrwertsteuersätze. Dies würde die Möglichkeit für Gastronomie, Hotellerie,
personalintensive Dienstleistungen und handwerkliche Dienstleistungen in privater Hand
eröffnen, den reduzierten Satz der Mehrwertsteuer von sieben Prozent anzuwenden.
Schließlich fordert die FDP Thüringen die Umsetzung der EU-Richtlinie zum „SBA“ (Small
Business Act). Er zielt darauf ab, die grundsätzliche Haltung zum Unternehmergeist in unserer
Gesellschaft zu verbessern und das Prinzip „Vorfahrt für kleine und mittelständische
Unternehmen“ (KMU) unumkehrbar in allen Bereichen zu verankern. In einem 10-Punkte
Programm werden den Verwaltungen Aufgaben gestellt, die Existenzgründungen und den
Unternehmen das tägliche Handeln erleichtern.
Voraussetzungen für eine Thüringengerechte Wirtschaftspolitik:
- Eine funktionsfähige soziale Marktwirtschaft.
- Eine auf das Notwendige beschränkte und sich beschränkende Bürokratie.
- Eine hervorragende Bildungs- und Hochschulstruktur.
- Eine breit aufgestellte Forschungslandschaft.
- Ein hohes Maß an Lebensqualität.
- Umgehende steuerliche Entlastung von Unternehmen und Bürgern.
- Kleine und mittelständische Unternehmen mit ausreichender Eigenkapitaldecke.
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3.4 Wirtschaftsförderung mit klarem Auftrag und klaren Strukturen
Die Wirtschaftsförderung des Landes muss grundlegend neu strukturiert und ausgerichtet
werden. Die Landesgesellschaften wie die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) und die
Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung (GFAW) müssen intensiver für den
Wirtschaftsstandort Thüringen werben und die heimische Wirtschaft bei der Erschließung
überregionaler Märkte unterstützen.
Grundsatz einer liberalen Wirtschaftsförderpolitik ist die Subsidiarität. Das Land soll nur
dort Fördermittel einsetzen, wo nationale und internationale Institutionen keine Angebote
unterbreiten oder Refinanzierungs- und Programmtitel dieser Institutionen komplementär
finanziert werden müssen.
Die FDP Thüringen wird die bestehenden Förderprogramme auf ihre Wirksamkeit
überprüfen und überflüssige Fördertatbestände abschaffen. Die für den weiteren
Wirtschaftsaufbau notwendigen Förderprogramme sollen einfach und übersichtlich
formuliert werden und die Zuteilung für den Antragsteller transparent und nachvollziehbar sein.
Transparenz und Verlässlichkeit sind für die Thüringer FDP Leitlinien auch in der
Wirtschaftsförderung.
Zielsetzung aller Fördermaßnahmen ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Mit Hilfe der Förderangebote
muss es möglich sein, dass der Thüringer Mittelstand seine Investitionspläne verwirklichen und
eine der etablierten westdeutschen Konkurrenz vergleichbare Eigenkapitalquote aufbauen kann.
Bereits seit vielen Jahren setzen sich die Liberalen dafür ein, dass für die Bürgerinnen und Bürger
ebenso wie für Unternehmen und Investoren Behördengänge vereinfacht werden. Verwaltungen
als Dienstleister müssen dafür Sorge tragen, dass künftig niemand mehr „von Pontius zu Pilatus“
geschickt wird, sondern dass ein Anlaufpunkt („One-Stop-Point“) zur Verfügung steht, an dem
den Betroffenen kompetent geholfen wird. Darauf hat der Steuerzahler einen Anspruch.
Die Kreditversorgung der Wirtschaft funktioniert u. a. deshalb nicht, weil die Banken gerade in
Krisenzeiten für Darlehen an den Mittelstand hohe Eigenkapitalreserven vorhalten müssen. Die
Thüringer FDP setzt sich dafür ein, dass die Baseler Eigenkapitalvereinbarungen (Basel II) so
flexibilisiert werden, dass kleine und mittlere Unternehmen gerade in schwierigen Zeiten
Darlehen zu günstigen Konditionen erhalten können.
Ein wichtiger Bestandteil der Thüringer Wirtschaftspolitik ist die Tourismuspolitik. Mit ca.
70.000 Vollzeitbeschäftigten und einem Umsatz von ungefähr 1,7 Milliarden Euro pro Jahr ist
der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig. Allerdings leidet der Thüringer Tourismus noch
immer an seiner regionalen Zersplitterung.
21
Hauptaufgabe der Tourismuspolitik des Landes ist die Etablierung einer einheitlichen Marke
„Thüringen“, die außerhalb Thüringens wahrgenommen wird. Das Hotel- und
Gaststättengewerbe ist für Thüringen nicht nur ein Aushängeschild, sondern auch ein wichtiger
Wirtschaftszweig und Arbeitgeber. Die FDP unterstützt die Forderung nach einem einheitlichen
reduzierten Umsatzsteuersatz für das Hotel- und Gaststättengewerbe, wie er in anderen EULändern
gewährt wird. Außerdem setzt sich die FDP Thüringen für eine Änderung der GEZGebührenabrechnung
bei Pensionen und Hotels ein. Die GEZ Zahlung muss sich nach der
tatsächlichen Zimmerauslastung richten. Abgeschafft wird die derzeit geltende Zahlung pauschal
nach Anzahl der gemeldeten Zimmer, die die tatsächliche Auslastungsquote unberücksichtigt
lässt.
Die bestehenden Fördermittelprogramme sind unübersichtlich, unverständlich und von
bürokratischen, oft unsinnigen Festlegungen und Bestimmungen überfrachtet. So kommt es, dass
viele Fördermittel gar nicht erst dort ankommen, wo sie sollen. Darunter leiden private
Investoren, darunter leiden genauso Städte und Gemeinden Die FDP setzt sich dafür ein, die
Vielzahl von Fördermittelprogrammen sinnvoll zusammenzufassen und von bürokratischen
Hemmnissen zu entrümpeln.
Die späte Bereitstellung von Fördermitteln führt zu unnötigen und inakzeptablen Verzögerungen
bei vielen Bauvorhaben. Dieses „Dezember-Fieber“ muss künftig verhindert werden. Neben
Möglichkeiten zum vorgezogenen Vorhabensbeginn muss auch eine Verschiebung des
Haushaltsjahres geprüft werden.
Die FDP wird dafür sorgen, dass Fördermittelbestimmungen vereinfacht werden, Praxisnähe
statt Paragraphenreiterei heißt der Grundsatz liberaler Förderpolitik. Künftig soll grundsätzlich
die Zustimmung als erteilt gelten, wenn nicht innerhalb einer angemessenen Frist eine anders
lautende Mitteilung vorliegt (Genehmigungsfiktion). Die Angemessenheit der Frist kann sich
z. B. an den Fristen für eine vorschriftsmäßige Vergabe orientieren und muss die Einhaltung der
Fördermitteltermine ermöglichen.
3.5 Energiepolitik
Die sichere Versorgung mit preisgünstiger und unweltverträglicher Energie gehört zu den
elementaren Lebensquellen einer Volkswirtschaft und aller Privathaushalte. Energie muss
langfristig und verlässlich zur Verfügung stehen.
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Energiepolitik muss sich an den Zielen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und
Umweltverträglichkeit ausrichten, diese Ziele als gleichrangig betrachten und ausgewogen
verfolgen. Liberale Energiepolitik spricht sich gegen Monopole aus und für die Kraft des
Wettbewerbs.
Thüringen ist ein bedeutender Standort der erneuerbaren Energien. Wir werden Forschung und
Entwicklung im Energiebereich intensivieren. Unterstützt werden sollen Bereiche wie
Photovoltaik, Solarthermie, Wind- und Wasserkraft, Biogas, Biomasse, Geothermie,
Brennstoffzelle und Speichertechnologien.
Wie werden einen Thüringer Energiebericht erarbeiten, um einen Überblick über die Thüringer
Energiepolitik sowie über den Stand von Forschung und Technik geben zu können.
Die Zielvorgaben der EU sehen für 2020 einen Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten
Energieverbrauch von 18 Prozent vor. Wir wollen in Thüringen diesen Wert schon im Jahr 2010
erreichen. Der weiteren Ansiedlung von Unternehmen dieser Branche ist besonderes Augenmerk
zu schenken mit dem Ziel, die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren
Energien innerhalb der nächsten Legislaturperiode zu verdoppeln.
3.6 Forschungs- und Technologiepolitik
Die Chancen einer globalisierten Welt nutzen heißt, unser Land fit für die Zukunft machen. Der
Freistaat Thüringen verfügt über wenige natürliche Ressourcen und braucht daher kreative
Köpfe, die mit ihren Ideen dazu beitragen, mit innovativen Produkten, Produktionsverfahren
und Dienstleistungen im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Nur so können wir Thüringen
gerecht werden und Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung für die Zukunft sichern.
Billige Massenfertigung und eine reine Dienstleistungswirtschaft sind für unser rohstoffarmes
Land keine Zukunftsperspektiven. Unsere Zukunft liegt in einer wissensbasierten Volkswirtschaft
und dem geistigen Potential unserer Menschen. Ihr Wille und ihre Kraft zum Fortschritt sind es,
auf die wir bauen und auf die wir uns verlassen müssen. Eine innovative Wirtschaft ist der
Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft, darauf müssen wir uns konzentrieren. Dafür sind
Forschung und Entwicklung unerlässlich.
Thüringen muss ein moderner Standort in Europa werden. Die Verbindung von Wirtschaft
und Forschung wird der ausschlaggebende Faktor in dieser Entwicklung sein. Thüringen
hat gute Potentiale, aber auch großen Aufholbedarf. Die Zukunft hängt davon ab, wie stark der
Freistaat in den Bereichen Bildung, Forschung und Entwicklung sein wird und wie effizient und
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ertragreich er diese Faktoren mit der Wirtschaft, d. h. dem ansässigen Mittelstand, verbinden
kann.
Nur mit einem starken und gesunden Mittelstand wird in Thüringen wieder Wachstum und
Innovation möglich sein. Die FDP Thüringen spricht sich jedoch eindeutig gegen eine jahrelange
Förderung nach dem Gießkannenprinzip aus. Vielmehr sollen die zukunftsträchtigen Branchen in
die Lage versetzt werden, nach einer Anschubfinanzierung auf eigenen Beinen zu stehen.
Förderungen sind daher grundsätzlich degressiv auszugestalten, allein schon um
Gewöhnungseffekte zu vermeiden.
Aus der Dominanz der kleinen Betriebe in Thüringen ergeben sich mit Blick auf Forschung und
Entwicklung (FuE) bzw. Wissen- und Technologietransfer spezifische Probleme. Jedoch gibt
es zu FuE keine Alternative, wenn Unternehmen auf dem Markt erfolgreich bestehen wollen. So
fehlen gerade den kleineren Betrieben die finanziellen Mittel um eigene FuE-Projekte
durchzuführen. Die Selbstfinanzierungskraft dieser oftmals aus Wissenschaftseinrichtungen
ausgegründeten und in der Regel sehr forschungsintensiven Firmen reicht in der Regel nicht aus,
um FuE-Aktivitäten in ausreichendem Ausmaß durchzuführen. Gerade auch für
Ausschreibungen auf EU-Ebene reicht das vorhandene Kapital nicht aus. Diese Unternehmen
sind daher auf Kooperationen angewiesen. FuE-Kooperationen können von losen informellen
Kontakten zu Unternehmen, Hochschulen und/oder externen Forschungseinrichtungen über
eine generelle Zusammenarbeit bis hin zu vertraglich vereinbarten FuE-Aufträgen und –
Projekten reichen.
Oft stehen FuE-Kooperationen aus Sicht der Unternehmen die langwierigen
Entscheidungsstrukturen und die Bürokratie der Hochschulen, unzureichende personelle und
technische Ausstattung der Fachgebiete, Termin- und Zeitdruck der Unternehmen hinsichtlich
des angestrebten FuE-Ergebnisses, Unklarheiten über das Verwertungsrecht und das
Veröffentlichungsinteresse der Hochschulen entgegen.
Hier besteht aus Sicht der FDP Thüringen sofortiger Handlungsbedarf:
- Wir werden die FuE-Förderung finanziell aufstocken.
- Wir werden den Wissens- und Technologietransfer intensivieren und transparenter
gestalten, um die Forschungsergebnisse schneller in neue Verfahren und Produkte
umzusetzen sowie Existenzgründer aus den Hochschulen zu ermutigen und gezielt zu
fördern.
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- Wir werden die vorhandenen industriegetriebenen Branchenschwerpunkte (Cluster)
weiter ausbauen und durch eine umfassende strategische Positionierung die
verschiedenen Zukunftsbranchen im nationalen und internationalen Wettbewerb stärken.
- Wir werden mit den Hochschulen und Patentverwertungsgesellschaften den
Technologietransfer beschleunigen und effizienter gestalten.
3.7 Verkehrspolitik
Eine intakte und gut funktionierende Verkehrsinfrastruktur ist ein wichtiger Standortfaktor.
Ziel liberaler Verkehrspolitik ist und bleibt es, den Bürgerinnen und Bürgern bezahlbare und
umweltverträgliche Mobilität zu ermöglichen.
Thüringen hat aufgrund seiner zentralen Lage eine wichtige Funktion für den Verkehr in
Deutschland und Europa. Prognosen zufolge wird sich der Zuwachs des Verkehrsaufkommens
fortsetzen. Das Verkehrssystem muss deshalb fortlaufend modernisiert und bedarfsgerecht
ausgebaut werden.
Um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes zu verbessern, muss in den ländlichen
Regionen eine moderne Kommunikationsinfrastruktur ausgebaut werden. Zu einer
leistungsfähigen und den Standort stärkenden Infrastruktur gehört der ungehinderte Zugang zur
Breitbandkommunikation.
Thüringen lebt derzeit vor allem von der Verkehrsader A4, die Mittel- und Ostthüringen mit dem
Rhein-Main-Gebiet verbindet. Die Verbindung nach Nordwestdeutschland sowie in die
bevölkerungsreichste Region des Ruhrgebietes und weiter nach Belgien und in die Niederlande
lässt sehr zu wünschen übrig.
Die FDP wird die vorhandenen Trassenführungen auf Bundesstraßenniveau ausbauen, damit der
als natürliche Hürde wirkende Thüringer Wald im Interesse von Tourismus und Wirtschaft
schnell und problemlos überwunden werden kann. Dabei ist auf Natur- und Landschaftsschutz
zu achten.
Folgende Projekte sehen wir als besonders vordringlich an:
- den Lückenschluss der Autobahnen Nordthüringen A 38 und A 38 - A 71,
- den Ausbau der A 4 Hörselberge,
- die Fertigstellung der A 9 nördlich von Schleiz,
25
- Projekte zur infrastrukturellen Stärkung der Bundesstraßen, wie zum Beispiel die
Fortführung der B 94 zwischen Zeulenroda und Schleiz, der B 7 zwischen Jena und A 9,
der B 93 zwischen Altenburg und Borna (Anschluss nach Leipzig), Fertigstellung der
A 44 zwischen Wommen und Kassel, Bau der B 243 neu in Nordthüringen.
- der Bau einer Rhönquerung.
- den Bau von Ortsumgehungen, um die Bevölkerung vom Verkehr zu entlasten, z. B.
Ortsumgehung Weimar und die notwendigen Ortsumgehungen begleitend zur B 175.
Die Thüringer FDP bekennt sich zur Bedeutung des Öffentlichen Personennahverkehrs
(ÖPNV) für die Mobilität der Menschen im Land, sowie als Standortfaktor. Es gilt darum, alle
Möglichkeiten zu einer möglichst effizienten Fortschreibung auszuschöpfen, wie die intelligente
Vernetzung der Verkehrsträger, Verkehrsverbünde, interkommunale Zusammenarbeit und die
Kooperation mit Privaten z.B. durch die Freigabe und Ausschreibung von Konzessionen für den
(Klein-)Bus-Pendelverkehr im ländlichen Umfeld. Von hoher Bedeutung ist, dass zukünftig
klarer, kontinuierlicher und verlässlicher feststehen muss, welche Mittel den kommunalen
Verkehrsträgern zur Verfügung stehen. Die Mobilität der Menschen ist ein Wirtschaftsfaktor
und Voraussetzung für die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger. Sie ist nicht
Verhandlungsmasse tagespolitischer Unzulänglichkeit. Deshalb brauchen die kommunalen
Verkehrsträger Planungssicherheit. Auch der schienengebundene Nahverkehr hat für die FDP
hohen Stellenwert. Statt experimenteller „Luftballons“ der Landesregierung, wie die Schließung
von Bedarfshaltepunkten, fordern die Liberalen eine verlässliche Verkehrspolitik als
Standortfaktor für die Thüringer Kommunen.
Die FDP Thüringen spricht sich für den beschleunigten Ausbau der in der Vergangenheit immer
wieder verzögerten
- Nord-Süd-Eisenbahnverbindung Berlin - Erfurt - München sowie der
- zweigleisigen, elektrifizierten Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Erfurt und
Dresden aus.
Speziell zur Stärkung des Südthüringer Raums setzt sich die Thüringer FDP dafür ein, dass die
Werrabahn von Eisenach bis Eisfeld/Coburg, einst eine leistungsfähige Verbindung von
Nordhessen nach Franken, durch einen Lückenschluss wieder mit Franken verbunden wird. Die
Werrabahn hat eine große Bedeutung im Radtourismus und kann nach dem Lückenschluss
26
alternativer Verkehrsweg in einem wettbewerbsorientierten Bahnverkehr, sowohl für den Güterals
auch im Personentransport werden.
3.8 Landwirtschaft, Forsten, Ländlicher Raum
Thüringen ist geprägt vom ländlichen Raum. Er ist für einen großen Teil der Thüringer
Bevölkerung Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsraum. Mit seinen natürlichen Ressourcen bietet er
aber auch die notwendigen Freiräume für Erholung und Freizeitgestaltung der Bevölkerung und
leistet einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung der Thüringerinnen und Thüringer mit
hochwertigen Produkten der Land- und Forstwirtschaft sowie des Gartenbaus.
Gerade der ländliche Raum ist von Abwanderung und drohender Überalterung bedroht. Die
Stärkung des ländlichen Raumes heißt daher, Thüringen insgesamt zu stärken.
Der ländliche Raum lebt zu einem wichtigen Teil von Landwirtschafts- und Forstunternehmen,
aber auch von den angrenzenden Zentren in die viele seiner Bewohner zum Arbeiten pendeln.
Landwirtschafts- und Forstunternehmen sind häufig der größte und oftmals auch der einzige
Arbeitgeber in ländlichen Regionen. Sie erfüllen nicht nur im ländlichen Raum vielfältige
Aufgaben, sie sind als Nahrungsmittelproduzenten ein unverzichtbarer Bestandteil unseres
Wirtschaftsgefüges. Sowohl die Investitionen als auch die konsumtive Nachfrage
landwirtschaftlicher Betriebe stützt regionale Wirtschaftskreisläufe und sichert somit
Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Region.
Die Thüringer Liberalen nehmen die Landwirtschaft als einen gewichtigen Wirtschaftsfaktor
ernst. Viele Parteien vermitteln den Eindruck vom Bauernhof als "Urlaub auf dem Lande".
Dieser Eindruck wird dem ernsthaften Anliegen der Nahrungsmittelversorgung, dem Anbau
nachwachsender Rohstoffe, der Förderung des Klimas und der Erhaltung der Wirtschafts- und
Gesellschaftsstrukturen im Ländlichen Raum nicht gerecht. So wenig wie Strom einfach nur „aus
der Steckdose kommt“, wächst das Schnitzel in der Pfanne. Land- und forstwirtschaftliche
wirtschaftliche Produkte fallen nicht vom Himmel.
Landwirtschaftspolitik begreifen wir als Einheit mit den dazu gehörigen vor- und nachgelagerten
Bereichen, wie der Futtermittelindustrie, der landtechnischen Industrie und dem zugehörigen
Handwerk, der Ernährungswirtschaft und der Nutzung der nachwachsenden Rohstoffe (u. a.
durch Biogas- oder Biodiesel-Produktion). Diese sind wichtiger Bestandteil des
27
Bruttosozialproduktes in Thüringen. Ihr Arbeitskräftebedarf ist von erheblicher Bedeutung vor
allem im Ländlichen Raum.
Der Erhalt und die Förderung der heimischen Landwirtschaft hat bei der Thüringer FDP
Priorität. Deshalb treten wir ein:
für die Stärkung marktwirtschaftlicher Strukturen und den Schutz vor subventionierten
Einfuhren; liberale Agrarpolitik will die schrittweise Verringerung der Eingriffe in den Markt.
für den Grundgedanken der Entkopplung der Prämien von der Produktion und die
Abschaffung von Quoten und Marktordnungen und gegen Förderobergrenzen; die FDP
steht für eine unternehmerische und nachhaltige Landwirtschaft mit deutlich weniger Bürokratie.
für eine gleichmäßige 1:1 Umsetzung der EU-Standards im Umwelt-, Tier- und
Verbraucherschutzbereich in allen EU-Mitgliedstaaten.
für einen zurückhaltenden Umgang mit wertvollen Böden und Flächen bei der weiteren
Entwicklung des Landes, insbesondere die gezielte Abstimmung von Ausgleichs- und
Ersatzmaßnahmen mit den betroffenen Landwirten.
- für die Fortsetzung der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und
des Küstenschutzes“.
- für die Beibehaltung von Ausgleichszahlungen sowie des Thüringer
Kulturlandschaftspflegeprogramms (KULAP).
- für die Gleichberechtigung des Vertragsnaturschutzes mit dem administrativen
Naturschutz und notwendige Entschädigungsregelungen für dadurch entstehende
zusätzliche Auflagen.
- für die Schaffung eines wirklich ausreichenden wissenschaftlichen Vorlaufes zur
Feststellung und Abwägung von Chancen und Risiken der Gentechnik.
- für die Sicherung des qualifizierten Nachwuchses durch Werbung und qualifizierte,
möglichst heimatnahe Ausbildung.
Thüringen als „Grünes Herz Deutschlands“ verdankt in Vergangenheit und Gegenwart viel
seinem Wald, die Forstpolitik ist deshalb für Thüringen von besonderer Bedeutung. Die
weltweite Klimadiskussion, die wirtschaftliche Nutzung des Waldes, sein unser Land ganz
wesentlich prägender Charakter aber auch die regelmäßig wiederkehrenden Diskussionen um den
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richtigen Umgang mit dem Wald, machen deutlich, dass wir ihm auch in Zukunft unsere ganze
Aufmerksamkeit widmen müssen:
- Das forstliche Ziel heißt „naturnaher Waldbau“, was nicht nur der Klimaentwicklung
geschuldet ist. Der Waldumbau ist, soweit möglich, zu beschleunigen, geeignete Standorte
sind im Hinblick auf die Verbesserung des örtlichen Klimas, der Verhinderung von
Erosion und der Verbesserung des Grundwasserschutzes und der Grundwasserhaltung
aufzuforsten. Fördermittel für Erstaufforstungen werden generell weiterhin ausgereicht.
- Die Verwertung des heimischen Rohstoffes Holz ist unter ökonomischen, aber auch
unter ökologischen Gesichtspunkten z.B. als Energieträger zu optimieren.
- Das Land muss sich den uneingeschränkten Zugang zum Wald als charakteristischem
Landschaftselement, als Ressource und wichtigem Umweltfaktor, als Ort für Tourismus,
Wanderung, Reitsport – also zur Erholung der Bürgerinnen und Bürger Thüringens
unbedingt erhalten.
Die Jagd in Thüringen hat Tradition. Neben der Nutzung des Wildes muss Jagd auch weiterhin
dem Tier- und Artenschutz und dem Seuchenschutz dienen. Bei verständiger
Wildbewirtschaftung ist zugleich den Interessen der Land- und Forstwirtschaft zu entsprechen.
Die Koppelung des Jagdrechts an das Grundeigentum muss unangetastet bleiben.
Drückjagden sind nur noch auf Schwarzwild zulässig. Auf anderes Schalenwild sind
Bewegungsjagden verboten.
Thüringen ist durch wenige größere Städte als Ballungsräume und einen flächenmäßig
überwiegenden Ländlichen Raum geprägt. Thüringen hat 998 Gemeinden mit 2,3 Mio.
Einwohnern. Fast die Hälfte davon lebt in den 933 Gemeinden mit weniger als 5.000
Einwohnern. Zugleich ist der Ländliche Raum geprägt von Überalterung und Abwanderung in
die größeren Städte, benachbarte Bundesländer oder sogar ins Ausland.
Dies liegt zum einen daran, dass vernünftig bezahlte, höherwertige Arbeitsplätze fehlen, zum
anderen an ungenügenden kulturellen Angeboten im Freizeitbereich. Hinzu kommt die sich nur
allmählich verbessernde Anbindung an die Oberzentren. Um langfristig die dauerhafte Verödung
ganzer Landstriche zu vermeiden, muss der Entwicklung des Ländlichen Raumes in Thüringen
auch in Zukunft besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Die FDP Thüringen tritt konsequent für eine Stärkung des Ländlichen Raumes in Thüringen ein.
Er muss wettbewerbsfähig bleiben, die Erwerbsmöglichkeiten dort müssen stetig weiter29
entwickelt werden, um kommunale und soziale Strukturen zu erhalten und die Abwanderung zu
stoppen. Der Ländliche Raum verfügt zugleich über eine hohe natürliche Ressourcenausstattung
und übernimmt damit wichtige ökologische und soziale Funktionen für Verdichtungsräume.
Thüringens Ländlicher Raum soll lebens- und liebenswert sein. Er ist ein wesentliches Element
der Lebensqualität in Thüringen.
Der Ländliche Raum
- muss durch den Erhalt und, soweit notwendig, den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur
gut erreichbar sein. Der ÖPNV ist zu optimieren und zu unterstützen.
- braucht eine Erschließungsinfrastruktur (z.B. Wasserver- und Abwasserentsorgung,
Straßenbau) die der Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung der jeweiligen Region
angemessen ist. Insbesondere die Versorgung mit Breitbandkommunikation („schnelles
Internet“) muss schnellstmöglich flächendeckend hergestellt werden.
- braucht eine ausreichende Bildungsinfrastruktur. Schulnetzplanungen der Landkreise nur
mit Blick auf die Städte machen Kinder im Ländlichen Raum verstärkt zu Fahrschülern.
„Kurze Wege für kurze Beine“ wird ein Grundsatz liberaler Bildungspolitik sein.
- soll verstärkt bei Erweiterungen oder Modernisierungen von Betrieben aller Sparten und
Neuansiedlungen unterstützt werden.
- soll neben den Fördermaßnahmen des aktuellen EU-Programms ELER und der Gemeinschaftsaufgabe
zur „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ für Land-,
Forst und Fischereiwirtschaft auch landesseitig im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten
weiterhin gefördert werden (z.B. Dorferneuerung, integriertes ländliches
Entwicklungskonzept, integrierte regionale Wirtschaftspolitik). Vorrangig sind
Anreizmechanismen, um Hilfe zur Selbsthilfe zu gewährleisten.
- soll bei der Tourismusvermarktung und -förderung durch das Land stärker
berücksichtigt und besser in die Gesamtvermarktung des „Grünen Herzens“
eingebunden werden. Noch manches historische Kleinod harrt der Entdeckung!
- soll vor Zersiedelung, Versiegelung und Verlusten wertvoller Bodenflächen durch
Ausgleichsmaßnahmen für urbane oder verkehrstechnische Großprojekte ebenso
geschützt werden wie vor einer Entstellung der Landschaft durch großtechnische Bauten,
wie z.B. Windkraftanlagen (WKA).
30
3.9 Bau und Infrastruktur - Entwicklung unter
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